Roland Garber - Ex-Rennradprofi aus Wien

Wir sind heute zu Besuch bei Roland Garber, ehemaligen Rennrad-Profi und Weltcupsieger, in seinem Fahrradshop in Wien 16. Roland hat nach seiner aktiven Karriere als Spitzensportler den Fahrradshop Pedalus eröffnet und ist nun erfolgreicher Unternehmer und Fahrrad-Experte. Zur weiteren Information ein interessantes Video:

sport-oesterreich:Vielen Dank für deine Zeit und die Einladung in deinen Fahrradshop, sowie deine kompetente Unterstützung zum Thema Fahrradtechnik. Hier gibt es ja so ziemlich alles was ein Radfahrer benötigt. Wie ist es dazu gekommen, dass du nach deiner aktiven Karriere ein Fahrrad-Fachgeschäft eröffnet hast?

Roland: Das ist eine lange Geschichte, ich versuche mich möglichst kurz zu fassen. Es kommt immer alles anders als geplant. Nach meiner aktiven Sportkarriere wollte ich mich als Großhändler für Fahrrad-Komponenten etablieren. Ich konnte mir damit zeitliche Flexibilität verschaffen um mein Radsport-Training mit dem Beruf zu kombinieren. Das lief auch 2,5 Jahre sehr gut. Bis zu jenem Tag an dem sich meine Schwester beruflich anders orientiert hat und mir ihr damaliges Kindermodengeschäftslokal überlies. Dies war somit der Startschuß für den Pedalus Fahrradshop, den es mittlerweile seit 2010 hier gibt.

sport-oesterreich: Du hast bereits in jungen Jahren mit dem aktiven Radtraining begonnen. War das quasi schon immer deine Bestimmung, ein Radprofi zu werden?

Roland: Ich denke schon, da ich aus einer sehr sportlichen Familie komme. Auch meine Eltern waren bereits Spitzensportler (Mutter: Springreiten, Volleyball, Vater: Rennradfahrer). Mein Vater war fast 4 Jahrzehnte lang ein sehr erfolgreicher Trainer. Bereits als 4-jähriger Bursche saß ich sehr oft auf der Rückbank des Team-Betreuungswagens und habe meinen Vater ständig bei seinen taktischen Anweisungen und Trainertätigkeiten beobachtet - eine bessere Schule kann man sich ja fast nicht vorstellen.

sport-oesterreich: Du hast sehr viele internationale Erfolge einfahren können. Wieviele Stunden musstest du in der Woche trainieren um diese Erfolge feiern zu können?

Roland: Jetzt muss ich etwas länger ausholen. Grundsätzlich war ich Bahnfahrer, der aber hauptsächlich auf der Straße trainiert hat, also quasi ein Straßenbahnfahrer :) Normalerweise unterscheidet man den Bahn- vom Straßenfahrer, aber ich war in beiden Sportarten erfolgreich, wobei ich meine großen internationalen Erfolge als Bahnfahrer gefeiert habe. Im Jahresschnitt kam ich auf ca. 27.000 Kilometer, das werden in der Woche zwischen 500 und 1000 Kilometer gewesen sein. Es ist ganz darauf angekommen, in welcher Trainingsperiode ich mich befunden habe. Auf Trainingslager sind locker 1000 Kilometer pro Woche gefahren worden, unter der Wettkampf-Saison vielleicht nur 500 km. Um auf deine Frage zurück zu kommen: das sind ca. 25 - 30 Stunden in der Woche komplett mit Krafttraining, etc...

sport-oesterreich: Eine unangenehme Frage, die uns aber brennend interessiert: Wie stehst du zum Thema Doping im Radsport und ist es wirklich so, dass man nur mit Doping im Radsport erfolgreich sein kann?

Roland: Ich bin absolut davon überzeugt und spreche hier aus eigener Erfahrung, dass man sehrwohl ohne Doping im Radsport Weltmeister werden kann. Schließlich spielen hier noch viele weitere Faktoren eine wesentliche Rolle, wie zum Beispiel: Material, Glück, Tagesverfassung, mentaler Zustand, usw.. und ich kann mit Stolz behaupten, nie gedoped zu haben. Meine Stärken und wesentlichen Erfolgsfaktoren waren taktische Cleverness, Talent für den Radsport und unermüdlicher Fleiss im Training.

sport-oesterreich: Was ist deine offizielle Meinung zu Bernhard Kohl und seinem Doping-Skandal?

Roland: Im Prinzip geht mich das ja nichts an, was meine Konkurrenten machen. Mir war es persönlich echt immer egal, was meine Konkurrenten so anstellen um vorne mit dabei zu sein. Ich persönlich habe immer mein eigenes sauberes Ding durchgezogen, mich nie mit unfairen Machenschaften eingelassen oder mich in irgend einer Art und Weise beeinflussen lassen. Das ist ein ganz wichtiger Aspekt für sauberen Spitzensport. Was den Bernhard betrifft, weiss ich es nicht, was ihn in diese Lage gebracht hat, um "unsauber" zu werden. Mir tut es halt um den österreichischen Radsport und generell sowie so um den Radsport an sich leid, wegen diesen Schattenseiten... aber es freut mich sehr dass Bernhard nach all diesen Unannehmlichkeiten beruflich Fuß gefasst hat und wünsche ihm viel Erfolg für seine Zukunft.

sport-oesterreich: Vielen Dank für deine ehrliche Meinung! Nun zu anderen Themen. Wenn du jetzt aus heutiger Sicht auf deine Radsport-Karriere zurückblickst, würdest du heute etwas anders machen?

Roland: Eine gute Frage.. grundsätzlich bin ich mit meinem sportlichen Werdegang mehr als zufrieden und stolz darauf, dies alles erreicht zu haben. Sicherlich gibt es die eine oder andere Sache, was ich aus heutiger Sicht anders gemacht hätte, aber das sind Kleinigkeiten, die nicht weiter der Rede wert sind. Es war ein schönes Leben, habe durch den Radsport viel erleben und sehr viele Länder bereisen dürfen, aber sollte ich noch einmal zur Welt kommen, wähle ich bestimmt nicht mehr den Radsport.

sport-oesterreich: Warum nicht?

Roland: Weil meiner Meinung nach die Entlohnung in Relation zum Trainingsaufwand gegenüber anderen Sportarten sehr gering und nicht gerechtfertigt ist. Jetzt würde ich mich höchstwahrscheinlich für Tennis entscheiden.

sport-oesterreich: Kannst du unseren Lesern ein paar Trainingstipps, quasi deine goldenen Trainingsregeln, geben? Auf was sollte man beim Radtraining unbedingt achten?

Roland: Zuerst ganz wichtig ist das richtige Fahrrad und die richtige Sitzposition für das jeweilige Training / Vorhaben zu haben. Wenn das passt, kann das Training starten. Die Grundlage eines nachhaltigen Trainings ist und bleibt die Ausdauerleistungsfähigkeit. Ohne dem geht's einfach nicht, eine solide Basis, eben Grundlagenausdauer für körperliche Effizienz zu besitzen. Diese Grundlagenausdauer erreicht man durch Regelmäßigkeit, Langfristigkeit und moderate Intensität. Kombiniert mit ein paar gezielten Leistungsspitzen erreicht man eine kontinuierle Leistungssteigerung, sofern dies gewünscht ist. Im Freizeit- und Hobbysport ist dieser Tipp sicherlich hilfreich, aber nicht notwendig, denn hier zählt der Spaß und die Freude an der Bewegung ansich.

Übrigens: wenn jemand Interesse daran hat: ich schreibe nach wie vor Trainings- und Aufbaupläne für RadfahrerInnen aus allen möglichen Leistungsklassen, also auch für Freizeit- und Hobbyradler.

sport-oesterreich: Im Rennradsport ist oftmals die Rede vom "Runden Tritt". Hast du einen Tipp, wie jemand diese Technik erlernen kann? Und was für Vorteile sind damit verbunden?

Roland: Ich erlebe es oft, wenn ich unterwegs bin, dass ich sehr viele Radfahrer sehe, die mit einer zu hohen Übersetzung aufgelegt unterwegs sind und die Gänge einfach nur runterwürgen. Beim "Runden Tritt" allerdings sprechen wir von einer höheren Trittfrequenz die etwa bei 90 - 100 rpm liegt und dem Herz-Kreislauftraining dient. Es ist einfach gesagt die effizienteste Art sich am Rad fortzubewegen, egal ob auf Kurz- oder Langstrecke. Was aber eure Leser sicherlich sehr interessiert sind die Grundvoraussetzungen für den "Runden Tritt": Ein bisl Technik, ein bisl Training und die fixe Verbundenheit mit den Pedalen (Clips, Riemen oder Sicherheits-Einrastpedale), denn diese braucht man um das Pedal während der Aufwärtsphase nach oben zu ziehen. Die Technik im "Runden Tritt" liegt in der Kunst eine möglichst gleichmäßige und permanente Kraftübertragung auf die Pedale zu bekommen, mit möglichst wenig Energieverlust. Und wenn man diesen Flow erreicht, dann macht das Radeln erst so richtig Spaß!

sport-oesterreich: Für Rennradfahrer, die nicht gerne alleine unterwegs sind, gibt es "Rennrad-Clubs", wo man Gleichgesinnte finden und im Team radeln kann? Kannst du uns ein oder zwei Empfehlungen geben?

Roland: Ich selber habe einen Verein und freue mich immer wieder über neue Gesichter. Aber es gibt in Österreich sicherlich sehr viele Radvereine, die entsprechend attarktive Radtouren und Ausfahrten anbieten, in allen möglichen Leistungsklassen. Wenn jemand Interesse hat, mit uns auszufahren, dann bitte einfach um Kontaktaufnahme. Nähere Infos gibt es auf www.rolandgarber.at. Mein Hightlight ist das Marokko-Trainingslager!

sport-oesterreich:Vielen Dank für deine vielen Inputs und Antworten, es hat uns sehr gefreut.

Roland: Danke euch auch, war sehr interessant mit euch zu reden.

Besuchen Sie Roland Garber persönlich in seinem Pedalus Fahrradshop in 1160 Wien, Thaliastraße 89.