Top-Athleten in den USA bekennen sich zum regelmäßigen Konsum von Cannabis

Es ist eher ungewöhnlich, wenn Sportler offen über ihren Cannabiskonsum sprechen. Schließlich könnten sie ihre Karriere ernsthaft gefährden. Denn Cannabis wird nach wie vor von vielen Sportorganisationen als Dopingmittel angesehen. Und auch die soziale Akzeptanz des Cannabiskonsums ist eher mäßig. Als der mehrfache Olympia-Gewinner im Schwimmen, Michael Phelps, 2009 beim Rauchen einer Wasserpfeife mit Cannabis fotografiert wurde, hatte das prompte Konsequenzen. Er verlor nicht nur einen wichtigen Sponsor, sondern wurde auch mit einer dreimonatigen Sperre durch die nationale Schwimmvereinigung der USA belegt. In einem solchen Klima ist es nicht verwunderlich, dass Sportler sich während ihrer aktiven Laufbahn nicht zu diesem Thema äußern wollen. Jüngst traten aber einige ehemalige Spieler der amerikanischen Football-Liga mit erstaunlichen Aussagen an die Öffentlichkeit.

Top-Athleten in den USA nutzen regelmäßig Cannabis

Ein Joint vor dem Spiel

Mehrere ehemalige Star-Footballspieler berichten, dass sie vor großen Spielen regelmäßig Cannabis konsumierten. Und damit dürften sie nicht allein gewesen sein. Zahlreiche Kollegen haben sich mit Schätzungen zu Wort gemeldet, nach denen mindestens 80 % aller Spieler in der ganzen Liga zumindest gelegentlich einen Joint rauchen. Den einen mag das schockieren, andere mögen es belustigend finden. Dieses Phänomen hat aber einen ernsten Hintergrund. Denn American Football ist für die extreme körperliche Belastung der Spieler bekannt. Starke Schmerzen und entzündete Gelenke sind bei den Profis der NFL eher die Regel als die Ausnahme. Die Sportler bekommen deshalb Entzündungshemmer verschrieben, die auf die Dauer aber schwere Nebenwirkungen haben. Der hohe Cannabiskonsum in der NFL dürfte daher hautpsächlich medizinische Ursachen haben und nicht der Feierwut der Spieler geschuldet sein.

Auf dem grünen Auge blind

Vor diesem Hintergrund ist auch zu sehen, dass die Maßnahmen der NFL gegen den Cannabiskonsum eher halbherzig sind. Spieler müssen sich zwar in jeder Saison einem Drogentest unterziehen. Fällt dieser negativ aus, wird er erst im nächsten Jahr wiederholt. Für den Rest der Saison ist dann ein Cannabiskonsum ohne jegliche Sanktionen möglich. Auch wer erwischt wird, fliegt deshalb nicht gleich vom Platz. Wenn mehrere Drogentests nicht bestanden werden, sind zunächst Geldstrafen vorgesehen. Nur im Extremfall wird eine Sperre verhängt, die bis zu ein Jahr dauern kann. Ganz offensichtlich scheuen sich die Veranstalter der Liga davor, das Problem aggressiv anzugehen. Denn möglicherweise würde das die Aufmerksamkeit nur weiter auf die massiven Gesundheitsprobleme der Sportler lenken. Andererseits kann sich der Verband noch nicht zu einer völligen Toleranz für medizinisches Marihuana durchringen.

Neues Klima für Cannabis

Das könnte sich in der Zukunft aber durchaus ändern. Denn die öffentliche Wahrnehmung des Cannabiskonsums ist im Wandel begriffen. Die Amerikaner stehen dem Thema deutlich offener gegenüber, seit einige Bundesstaaten mit der Legalisierung von Cannabis große Erfolge verzeichnet haben. In Kalifornien ist eine regelrechte Cannabis-Kultur entstanden, die sich unter anderem in einer bunten Vielfalt von Cannabissorten für den Eigenanbau äußert. Besonders beliebt sind Hybrid-Züchtungen, die Eigenschaften der Sorten Sativa und Indica vereinen. Feminisiertes Saatgut mit Namen wie Blue Dream regt die Fantasie der Cannabis-Fans an. Sie sind teilweise bereit viel Arbeit in die Pflege solcher anspruchsvoller Sorten zu investieren. Der neue Wirtschaftszweig und die gesellschaftlichen Veränderungen, die rundherum entstanden sind, werfen in den USA ein neues Licht auf Cannabis in den USA. Immer mehr Prominente bekennen sich seither öffentlich zu ihrem Cannabiskonsum. Wenn die Entwicklung anhält, könnte der Feierabend-Joint dort bald denselben Stellenwert haben, wie das Feierabendbier. Dann könnten auch in der NFL die Hürden für den offenen Umgang mit medizinischem Cannabis fallen.


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