Der valide Laktattest und seine Merkmale

Seit vielen Jahren bereits ist das leistungsdiagnostische Messverfahren Laktattest eine gängige und weit verbreitete Methode zur Bestimmung der sportlichen Leistungsfähigkeit. Gerade im Leistungssport und ambitionierten Hobbysport kommt der Laktattest sehr häufig zur Anwendung. Aber auch die breite Messe der Hobbysportler/innen - speziell im Laufsport, Radsport und Triathlon - interessiert sich immer mehr für eine möglichst detaillierte Abbildung ihrer momentanen Ausdauerleistungsfähigkeit. Entgegen vereinzelter Kritiker scheint die valide Aussagekraft eines fundierten Laktattests jedenfalls gegeben zu sein. Zunächst ist es einmal wichtig zu wissen, was ein Laktattest misst und welchen Zweck diese Methode zur Bestimmung der Ausdauerleistungsfähigkeit verfolgt. Eine übersichtliche Beschreibung für die Grundsätze des Laktattests gibt es auf der Website www.wiener-sport.at zu finden.

Grundsätzliches über den Laktattest

Der valide Laktattest
Spitzenleistungen kommen auch durch valide Leistungsdiagnostik und dessen Umsetzung in der Trainingsplanung

Was ist ein valider Laktattest und welche Merkmale sollte ein guter Laktattest vorweisen?

Ein Laktattest misst die Laktatkonzentration im Blut bei verschiedenen Intensitätsstufen. Diese Daten helfen, die individuellen Trainingsbereiche zu bestimmen und die Leistungsfähigkeit zu verbessern. Besonders im Zusammenhang mit VO2max-Training kann dies dabei helfen, sportliches Potenzial zu erschließen und länger zu leben. Ein gut durchgeführter Laktattest liefert somit wertvolle Informationen für eine zielgerichtete Trainingssteuerung.

Gut, nachdem wir uns über die Basics der Laktatmessung ausreichend informiert haben, gehen wir etwas tiefer in die Materie. Wie bei vielen Bereichen/Themen, gibt es auch in der Leistungsdiagnostik erhebliche Qualitätsunterschiede. Die Unterschiede beziehen sich dabei hauptsächlich auf:

  1. Durchführung des Tests (Umgebung, Länge der jeweiligen Stufen, Einweisung vor dem Test, Ablauf, etc... )
  2. Messinstrument (hochwertige Laborgeräte oder kostengünstige, mobile "Pocketgeräte")
  3. Umgang mit dem Messinstrument
  4. Auswertung und valide Darstellung der erhobenen Daten

1. Durchführung des Laktattests

Die Laktatproduktion im Körper ist eine sehr sensible Angelegenheit. Bereits kleine Unregelmäßigkeiten wie schlechter Schlaf, Müdigkeit, Stress, etc.. können das jeweilige Testergebnis negativ beeinflussen und dafür sorgen, dass die gemessen Werte nicht ganz mit dem übereinstimmen, was im "Normalfall" eigentlich möglich sein könnte. Allein aus diesem Grund ist eine 100%ige valide Messung höchstwahrscheinlich gar nicht möglich. Selbst die allgemeine Tagesverfassung am Testtag kann das Ergebnis minimal beeinflussen.

Nun wissen wir wie sensibel der Körper mit seiner Laktatproduktion umgeht. Wie wirken sich dann externe Einflüsse auf den momentanen Laktatwert aus?

Viel gravierender können sich externe Einflüsse, wie Wind, Kälte, Hitze, Regen auf den momentanen Laktatwert bei einer gewissen Belastung auswirken. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass es wahrscheinlich am besten ist, den Laktattest dort durchzuführen, wo dann auch das Training und/oder der angestrebte Wettkampf stattfindet. Aus diesem Grund ist es fraglich, ob ein Laktattest am Laufband die richtige Methode ist, um Laktat für ein Training / Wettkampf auf der Straße / am Feld / am Berg ... zu messen. Wir wissen im Vorfeld nie genau, wie das Wetter beim Training oder beim Wettkampf sein wird. Jedoch besteht die höchste Wahrscheinlichkeit für eine valide Interpretation der Ausdauerleistungsfähigkeit, wenn der Test in einer möglichst simultanen Umgebung stattfindet.

Falsche Aussage: 1% Steigung am Laufband ersetzt den Gegenwind
Eine Notlösung der Laufband-Variante ist der Einsatz von einer kleinen Steigung (in der Regel 1%) am Laufband. Dies soll Gegenwind und sonstige externe Einflüsse ersetzen um so zu einem möglichst exakten Ergebnis zu kommen. Da das Laufen am Laufband für die meisten Straßen- und Trailläufer eher etwas Ungewohntes ist, und es erwiesenermaßen Unterschiede im Bewegungsablauf gibt, ist die Steigung praktisch fast irrelevant um wirklich eine valide Aussage über die Ausdauerleistungsfähigkeit zu treffen. Beispielsweise haben selbst gut trainierte Läufer, die das Laufband nicht gewohnt sind, gerade zu Beginn etwas Atemnot, selbst bei geringem Tempo. Erst nach einer verlängerten Aufwärmphase kommen diese Sportler/innen erst in "Fahrt". Dieses Phänomen kann auch durchaus mit der ungewohnten Umgebung oder der Nervosität im Rahmen des Tests zusammenhängen.

FAZIT: Das Laufband wird die gewohnte Trainings- und Wettkampfumgebung unter freiem Himmel nie ersetzen können! Allein aus diesem Grund schon kann eine Laktatmessung mit so viel Interpretationsspielraum wie der Laufband-Methode nicht genau sein. Abweichungen im vollzähligen mmol-Bereich sind möglich.

Länge / Dauer der jeweiligen Leistungsstufe
Beim Feldstufentest (zB auf der 400m-Bahn) wird in der Regel nach dem Warm Up in jeder Leistungsstufe drei Runden (1.200 Meter) gelaufen. Manche Leistungsdiagnostiker erhöhen bei der vorletzten bzw. letzten Stufe die Rundenanzahl auf vier (1.600 Meter). Der Grund dafür ist, dass der Körper etwas Zeit benötigt, bis er den tatsächlichen Laktatwert je Stufe erreicht hat. Allein aus diesem Grund ist ein Laufband-Laktattest mit 5 Minuten-Stufen höchstwahrscheinlich zu kurz bemessen. Gerade im hochlaktaziden Bereich steigt der Laktatwert kurz nach der Belastung (bereits in Ruhe) immer noch weiter an. Bei gut trainierten Personen kann sich die Laktatproduktion in der Tat etwas hinauszögern. Bitte beachten: diese Aussage ist sehr allgemein gehalten. Wie lange jemand wirklich benötigt um den tatsächlichen Laktatwert pro Stufe zu erreichen, ist sehr individuell. Dies zu bewerten liegt im Know How des Diagnostikers.

Im Idealfall ist das Testergebnis und dessen Interpretation zur Trainingsplanerstellung so genau, dass ein möglichst exakt prognostiziertes Trainingsziel am Ende des Tages gewährleistet sein kann.

2. Das Messinstrument

Laktatmessgerät

Ein Blick auf das jeweilige Messinstrument kann sich bezahlt machen. Vorsicht geboten ist bei silbernen "Aktenkoffern" für mobile Außeneinsätze, in welchem sich sogenannte kleine handliche Pocket-Laktatmessgeräte (siehe Abbildung) befinden. Es wird mit einer kleinen Nadel Blut vom Ohrläppchen genommen. Das Blut wird auf einem Teststreifen auf der Unterseite des Pocketgerätes hineingeschoben. Das Ergebnis erscheint prompt am Display.

Gefahren des Pocket-Gerätes
Das praktische Pocket-Gerät ist nicht nur praktisch und platzsparend, sondern auch preiswert. Insofern eine vermeintlich tolle Investition des Leistungsdiagnostikers. Es ist mittlerweile kein Geheimnis mehr, dass diese preiswerten Pocketgeräte sehr ungenau und fehleranfällig sind. Bei der Außenanwendung reagieren die Messdaten extrem auf Kälte- und Hitzeeinflüsse. Dabei können sich Schwankungen von mehreren mmol pro Leistungsstufe ergeben. Problem: Gerade bei Anfängern und noch weniger trainierten Personen fallen Fehler in der Messung und auf Basis dessen Fehler in der Trainingsplanung nicht auf. Speziell am Anfang wirkt sich auch falsch geplantes Training positiv aus. Anders verhaltet sich das dann schon im ambitionierten Leistungsbereich. Hier fallen Fehler sehrwohl auch kurz- und mittelfristig auf, wenn sich die sportliche Leistung nicht mehr entwickelt, stagniert oder sogar rückläufig ist. Aber selbst dann fehlt den Athleten meist der Argumentations-Background um die Fehlerquelle zu ermitteln, schlieeslich können auch hundert andere Gründe dafür verantwortlich sein, warum sportliche Ziele nicht erreicht werden. Narrenfreiheit für falsche Laktatwerte und dessen Auswirkungen?


Hochwertige Laborgeräte zahlen sich aus

Die professionelle Lösung: Labor-Messgeräte
Laborgeräte sind unhandlich, extrem teuer in der Anschaffung sowie wartungs- und pflegeintensiv. Ein Grund warum sich "Halbblut"-Leistungsdiagnostiker eher für die Billigvariante der Pocketgeräte entscheiden. Das Laborgerät hat aber für den Sportler / den Kunden die bestmöglichen Testergebnisse. Seriöse und verantwortungsbewusste Leistungsdiagnostiker scheuen die hohen Anschaffungskosten von mehreren tausend Euro nicht, um ihren Probanden bestmöglichen Service und valide Testergebnisse zu liefern.

3. Umgang mit den Geräten

Hier sei noch kurz erwähnt, dass die vom Hersteller vorgeschriebenen Service-Intervalle einzuhalten sind, um möglichst langfristig einen qualitativ hochwertigen Kundenservice (gute Testergebnisse) bieten zu können. Bekanntermaßen sind Pocketgeräte sehr kälteempfindlich, was gegen Außeneinsätze (widersprüchlich für mobile Geräte) spricht. Moderne Laborgeräte hingegen sind dahingehend resistent und liefern unabhängig davon valide Werte. Ein Streitthema ist der Umgang mit den Blutproben kurz vor der Messung mit Laborgeräten. Manche schwenken, andere wiederum schütteln die Blutproben, bevor diese im Gerät analysiert werden. Gemäß den Umgangsformen in Blutlaboratorien sollten Blutproben niemals geschüttelt, sondern langsam geschwenkt werden, um die jeweilige Blutprobe für die Messung optimal vorzubereiten.

4. Auswertung und valide Darstellung der erhobenen Daten

Speziell hier liegt im Grunde genommen das größte Fehlerpotenzial. Hier äußern sich die Fehlerquellen aus der Messung und werden als Grundlage für die künftige Trainingssteuerung herangezogen. Die Trainingsplanung folgt nach einem grundsätzlich fixen Schema. Die große Variable im Trainingsplan sind die im Laktattest erhobenen Daten. Nun wird einem vielleicht bewusst, wie wichtig möglichst korrekte Daten sein können, um ein Trainingsziel zu erreichen.

Je ambitionierter / schwieriger ein Trainingsziel ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit das Fehler in der Leistungsdiagnostik und in Folge dessen in der Trainingsplanung zum Vorschein kommen!

Falsche Aussage: Es ist völlig egal, mit welchem Gerät und unter welchen Umständen man einen Laktattest macht. Weil im Grunde genommen vergleicht man dann den ersten Test mit dem zweiten Test und sieht anhand dessen ob sich was an den Daten verbessert hat.

So eine Aussage ist nicht nur fahrlässig sondern macht den Sinn eines Laktattests zunichte. Um lediglich Leistungsniveau zum Zeitpunkt A mit dem Leistungsniveau zum Zeitpunkt B zu vergleichen, gibt es wesentlich einfachere und preiswertere Methoden, um eine Steigerung der Leistungsfähigkeit darzustellen (zB. Conconitest, Coopertest... ).

Richtige Aussage: Ein Laktattest ist dazu da, um möglichst exakte / valide Leistungsdaten (mmol Laktat im Blut bei in mehreren Stufen steigender Intensität) zu ermitteln, die als Grundlage für eine fundierte Trainingsplanung herangezogen werden.

Fazit: Insofern sagt einem das schon der gesunde Menschenverstand, dass ein Laktattest im Prinzip nur dann Sinn macht, wenn folgende Kriterien erfüllt sind:

  • Testumgebung möglichst ähnlich der Trainings- und/oder Wettkampfumgebung
  • Dauer der Stufen nicht zu kurz gehalten
  • Auswertung durch hochwertiges Laborgerät
  • Interpretation der Messdaten als Grundlage für künftige Trainingssteuerung, nicht nur als Vergleichswert früherer Testergebnisse

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